
Saturday March 04, 2006
Erfahrungsbericht: Hermes-Paketversand / Zustellung und die Zukunft der E-Commerce Logistik
Eines der derzeitigen limitierenden Faktoren des E-Commerce ist die Logistik. Nicht in Bezug auf die "Makro-Logistik" sondern die "Micro-Logistik". Soll heissen, dass die Logistik-Netzte der großen Logistikdienstleister nicht nur bundes- sondern weltweit funktionieren steht im 21. Jahrhundert ausser Frage. Hoch problematisch, zumindest aus Kundensicht, ist jedoch die eigentlich Zustellung des Paketes an den Empfänger. Ein Großteil der Internet-aktiven Internetnutzerschaft und vorallem der kaufkräftigen Online-Shopper ist tagsüber auf Arbeit und nicht unter der Wohnanschrift zu erreichen. Es gibt viele Gründe ein Paket nicht an den Arbeitgeber liefern zu lassen. Die einzelnen Logistikdienstleister meistern diese Herausforderung mit unterschiedlichem Pragmatismus.
Nachdem ich als ein hoch online-affiner Internet-Nutzer und Online-Shopper sicherlich ein Paket pro Woche erhalte und nun erstmals eine Bestellung explizit per Hermes als Versanddienstleister mit der Option "Keine Ersatzzustellung" bestellt hatte, war ich sehr positiv überrascht. Die Zustellversuchen waren fein säuberlich auf dem Paket notiert und ließen klar die stringente Routenplanung erkennen. Und es wurde tatsächlich nicht irgendwo anderes zugestellt. Auch die finale Zustellung an einen der 10.000 Paketshops, wo ich mir dann das Paket abgeholt habe, hat problemlos funktioniert.
Meine Erfahrungen mit anderen Zustelldiensten wie UPS, DPD etc sind durchaus auch positiv. Einzig abgeschlagen DHL. Wenn ich hier meine Erfahrungen berichten würde, müsste ich wohl eine Abmahnung wegen Rufschädigung fürchten;-) Besonders herauszuheben und wohl jedem Berliner in Alt-Bauwohnungen >1. Stock bekannt, es wird gleich garnicht erst geklingelt. Die Paketzustell-Benachrichtigungskarte wird dann auch noch so an der Haustüre aussen(!) befestigt, dass sie, wenn sie nicht schon vom Wind weggeweht wird, so auffällig an die Türe klebt, dass jedem Passanten nichts anderes übrig bleibt, diese mitzunehmen. Wieviele Pakete deswegen schon zurück gingen (weil ich niemals die Benachrichtigungskarte erhalten habe) weiss ich nicht mehr und "verschollenen" Pakete kann ich auch nicht mehr zählen. Glücklicherweise war es nie mein Schaden, da ich ja nicht den Empfang bestätigt hatte, aber letztendlich zahlt es doch der Verbraucher...
In diesem Kontext sind die Packstationen, wenn man das Glück hat direkt in der Nähe von einer zu wohnen, eine wahre Erlösung und mein Paketempfangsvolument hat sich dadurch sicherlich ver x-facht und wie oben schon implizit angesprochen, nutze ich auch grundsätzlich nur Online-Shops die an Packstationen zustellen. Allerdings mit meinen neuen Hermes Erfahrungen werde ich sicherlich zukünftig wesentlich öfter auch Hermes nutzen insbesondere um UPS, DPD etc zu substituieren. Hermes hat ja große Ambitionen für den Fall des Postmonopols und ist, soweit ich hier Zahlen im Kopf haben, in den letzten Jahrn massiv gewachesen und wird auch von immer mehr Online-Shops als Versanddienstleister genutzt. Insbesondere für kleinere Versandvolumina sind die Konditinen äußerst attraktiv. Um bei der Post in deren "Großkunden"-Preisstaffel zu fallen waren zumindest "früher" 500 Paketversendungen notwendig und alles darunter war mit den Standardpaketentgelten im Vergeleich zu Wettbewerbern wie DPD relativ teuer.
Mit den zwei angesprochenen Diensten Paketshop und vorallem Packstation ist damit wieder ein Konzepte populär, das in den New-Economy Hype Zeiten in den USA gescheitert ist. Die "private Packstations-Box" in der Hofeinfahrt/Garage/Hauseingang. In 5-10 Jahren dürfte ein derartiger Service sicherlich wieder ein Revival feiern, evtl. aber getragen von den Logistikdienstleistern (indirekt refinanziert durch Versandunternehmen...). Denn E-Commerce wird erst erfolgreich sein, wenn diese Makro-Logistik reibungslos funktioniert und die wird ganz klar so aussehen, so wie jedes Haus heute einen Kühlschrank hat, eine der Einwohnerzahl entsprechend große "Private PaketBox" hat, die für jeden Bewohner individuell mit einem Zahlencode oder auch Biometrischen Ausweisen nutzbar ist. Auch werden diese Boxen ein Kühl-/Heizfach besitzen. Erst dann hat der E-Commerce das Potenzial einen Anteil von >25Prozent am Einzelhandelsumsatzes ausmachen. In Zukunft wird dann wesentlich stärker zwischen Pflichteinkäufen und dem Sonnabendlichen "Erlebnisshopping" unterschieden werden, das sicherlich sogar noch an Stellenwert gewinnen wird. Denn alles was standardisiert ist und Zeit kostet wird automatisiert bestellt und geliefert (Grundbedarf.) Auch glaube ich, dass das "Flagship-und Brand-Store" Konzept dann weiter an Bedeutung gewinnt. Das Einkaufen selbst ist dann mehr ein Erlebnis in Erlebniswelten, wobei man sicherlich auch etwas kauft, aber die 10.000 verschiedenen Designs/Varianten (Masscustomization), wird man bequem von zu Hause oder dem Mobiltelefon bestellen. Mit den Logistikkonzepten wird das auch bequemer als in irgendeinem Kaufhaus derzeit. Es wird eine großte Auswahl in die Private Pack-Box gelifert, man sucht sich die entsprechenden Produkte aus(evtl. war das dann nur ein Muster) und legt den Rest wieder zurück bzw. bestellt dann auf Basis des Musters die eigentliche individuelle Anfertigung. Letztendlich ist das dann die SuperMall im eigenen Hauseingang.
( Mar 04 2006, 12:14:51 AM CET )
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